In der sehr empfehlenswerten Arte-Dokumentation „Roundup, der Prozess“ zeigt die Autorin und Investigativjournalistin Marie-Monique Robin: Das starke Herbizid Glyphosat ist gefährlicher als bisher befürchtet. Doch eine Bürgerinitiative begehrt auf. Beim internationalen Monsanto-Tribunal, einem symbolischen Prozess im Jahr 2016 in Den Haag, klagen sie: Auf Ökozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Hier geht’s zum Film.
Tante LeMi, was genau ist Glyphosat?
Glyphosat ist das meistverkaufte Pflanzengift der Welt. Der Agro-Multi Monsanto ließ Glyphosat in den 70er Jahren patentieren und brachte es unter dem Markennamen „Roundup“ auf den Markt. Monsanto wurde damit zum führenden Hersteller von Glyphosat und glyphosatresistenten gentechnisch veränderten Pflanzen. Seit 2000 ist der Patentschutz abgelaufen, sodass auch andere Unternehmen wie Syngenta oder Dow AgroSciences glyphosathaltige Präparate vertreiben.
Wie wirkt Glyphosat auf Pflanzen?

Glyphosat ist ein Total- oder Breitbandherbizid. Seine Wirkung ist unselektiv. Das heißt: Es tötet jede Pflanze, die nicht entsprechend gentechnisch verändert wurde. Pflanzen nehmen Glyphosat über die Blätter auf, von dort wird es in alle Pflanzenbestandteile verteilt. Indem es die Synthese bestimmter Aminosäuren blockiert, werden lebenswichtige Stoffwechselprozesse in der Pflanze gehemmt (BUND).
Was sind Roundup-Ready-Pflanzen?

Parallel zu dem Pflanzengift „Roundup“ brachten Monsanto und andere Unternehmen die passenden Pflanzen auf den Markt: Sogenannte Roundup-Ready-Pflanzen – Soja, Mais, Raps, Zuckerrüben, Baumwolle. Sie sind aufgrund gentechnischer Veränderungen resistent gegenüber der herbiziden Wirkung von Glyphosat. In Argentinien entsprach der Anbau von Roundup-Ready-Soja in 2014 nahezu 100 Prozent des gesamten Sojaanbaus (Informationsdienst Gentechnik).
Wieviel Glyphosat wird versprüht?

Im Jahr 2011 wurden laut BUND weltweit 650.000 Tonnen an glyphosathaltigen Pestiziden ausgebracht. Für das Jahr 2017 wird eine Verdoppelung des Verbrauchs prognostiziert. Allein in Deutschland werden jährlich seit etwa zehn Jahren 5.000 bis 6.000 Tonnen des Pflanzengifts in Landwirtschaft und Privatgärten verarbeitet (Bundesregierung). Hierzulande soll Glyphsat bereits auf 39 Prozent der Ackerflächen (bei Raps: ca. 87 Prozent) zum Einsatz kommen (Erhebung 2010/11).
Dann beschränkt sich der Einsatz auf die Landwirtschaft?

Nein, auch im Obst- und Weinbau kommt Glyphosat zum Einsatz. Da in Deutschland 51 der 93 glyphosathaltigen Mittel für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind, werden zudem Privat- und Schrebergärten mit dem Pflanzengift unkrautfrei gesprüht (Umweltinstitut). Auch in Baumschulen und insbesondere beim Anbau von Weihnachtsbäumen greift man auf das Pflanzengift zurück. Nicht selten wird es in Parks, an Bahnstrecken, auf Parkplätzen, Seitenstreifen und Wegen ausgebracht.
Was weiß man über die Risiken?

Monsanto selbst ist leider Auftraggeber der meisten Studien, die für die Zulassung des Pestizids benötigt werden. Die New York Times berichtete Anfang 2017 dann, dass Monsanto auch an vermeintlich unabhängigen Studien mitgearbeitet habe, die das Pestizid als unbedenklich einstufen. Eigenständige Untersuchungen durch das US-Gesundheitsministerium habe Monsanto immer wieder verhindert (SZ März 2017). Vor wenigen Wochen dann der nächste Skandal: In einem Risikobericht des Bundesinstituts für Risikobewertung wurden wesentliche Passagen – insbesondere zu Krebsrisiken – aus einem von der Industrie vorgelegten Bericht wortwörtlich übernommen (SZ, September 2017).
Unabhängige Studien zu dem Pflanzengift sind sich dagegen weitestgehend einig: Die gesundheitlichen Risiken von Glyphosat seien gravierend – hormonelle Wirkungen, Krebs, Zelltod, Fruchtbarkeitsstörungen, eine Schädigung des Erbguts, der Embryonalentwicklung, der Leber und der Nieren (Umweltinstitut). Mehr zu den dramatischen Folgen im Film.
Quellen zum Nach- und Weiterlesen:
BUND e.V.
Umweltinstitut München e.V.
Informationsdienst Gentechnik
Süddeutsche, 15.03.2017: „Monsanto soll Glyphosat-Studien beeinflusst haben“
Süddeutsche, 24.09.2017: „Wenn Monsanto die Risiken einfach selbst bewertet“
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