Wintersport – ein nachhaltiges Naturerlebnis? Ein Mythos!

Sie gelten als ein magischer und ursprünglicher Ort, seit über 7.000 Jahren besiedelt und von Bergbauern einst traditionell bewirtschaftet – die Alpen. Doch mit der wachsenden Wintersportbegeisterung kam die ökologische Katastrophe: Massentourismus, Verkehrsschneisen, Skipisten und Lifte, Beschneiungsanlagen und Wasserspeicher, ein immenser Ressourcen- und Energieverbrauch. Das sensible Berg-Ökosystem mit seinen vielfältigen Naturräumen gerät mit der Expansion der Skigebiete zunehmend in Gefahr.

Glaubt man den Prognosen des Deutschen Alpenvereins, so dürften in 30 – 40 Jahren die meisten Gletscher in den Ostalpen vollständig verschwunden sein – dem menschengemachten Klimawandel sei Dank. Steigt die Temperatur um nur 1 Grad, soll laut Bund Naturschutz die Zahl der schneesicheren Skigebiete in Deutschland auf 60% sinken. Bei 4 Grad bliebe die Zugspitze als einzig schneesicherer Berg. Denn die Auswirkungen der Erderwärmung sind aufgrund der großen Höhenunterschiede in Alpen besonders gravierend.

Nicht nur in unserer Region ist ein Winterurlaub in den Bergen ein beliebtes Naturerlebnis. Doch wie viel Pistenspaß können unsere Berge noch vertragen?

5 Fakten zum Pistenbetrieb:

  1. Künstliche Beschneiung: In vielen Wintersportgebieten kommen Schneekanonen zum Einsatz, um die Saison auch bei steigenden Temperaturen längstmöglich auszudehnen. Sie bedeuten einen immensen Energie- und Ressourcenverbrauch und bedürfen einer gigantischen Infrastruktur mit Pump- und Kompressorstationen, Stromversorgungseinrichtungen, Speicherbecken, Kühlanlagen, Rohrsystemen, Stromleitungen. Übrigens: Nicht selten kommen bei künstlicher Beschneiung chemische Zusätze, sogenannte Snow-Inducer zum Einsatz, um bei höheren Außentemperaturen die benötige Produktionstemperatur von wenigstens -3 Grad zu erreichen.
  2. Wasserverbrauch: Um einen Hektar Land künstlich zu beschneien, werden rund eine Million Liter Wasser benötigt. Um diese Wassermassen für die Beschneiung zu beschaffen, werden oft große Wasserspeicher angelegt. Diese müssen möglichst unbelebt sein, das heißt frei von Fischen und Kleinlebewesen. Es handelt sich also um bloße Speicher und keineswegs um Lebensräume. Das Anlegen der Speicherbecken, nicht selten in hochsensiblen Hochmoorlagen, zerstört Lebensraum und bedeutet einen massiven Eingriff in das bestehende Grundwassersystem.
  3. Verarmung der Vegetation: Mit einer künstlichen Beschneiung ist zudem ein unnatürlich hoher Wassereintrag verbunden, der zu Bodenerosionen führt. Die artenreiche Vegetation mit derzeit noch rund 130.000 Pflanzenarten verändert sich hin zu einer sogenannten Schneetälchenvegetation, weil die Böden unnatürlich lange mit einer festen Schneedecke bedeckt sind. Für Insekten wird die Nahrungsaufnahme immer problematischer.
  4. Belastung der Böden: Die mechanische Belastung der Böden durch das Präparieren und Befahren der Pisten führt zu einer Verdichtung des Bodens. Wichtige Bodenfunktionen wie seine Speicher- und Filterfunktion gehen verloren, was sich auch in einer schlechteren Wasserqualität in den Skigebieten niederschlägt.
  5. Störung der Tierwelt: Auch die Tierwelt mit ihren rund 30.000 Tierarten gerät mit der Expansion von Skigebieten in Bedrängnis. Gerade für Vögel, Rehe oder Hirsche, für die das Überleben im Winter ohnehin eine Herausforderung darstellt, bedeutet der Skitourismus einen massiven Eingriff in ihren Lebensraum. Für sie kann der Pistenbetrieb lebensbedrohlich sein. Insbesondere sogenannte Freerider, die abseits der Pisten fahren, stellen für die störungsempfindlichen Wildtiere eine Bedrohung dar.

5 Tipps für einen nachhaltigen Winterurlaub:

  1. Die erste einfache Faustregel lautet: Plane einen Skiausflug ausschließlich dann, wenn es in der Skiregion reichlich geschneit hat.
  2. Wähle ein Skigebiet aus, in dem nicht künstlich beschneit wird und das auf künstlich präparierte Pisten verzichtet.
  3. Entscheide dich für ein Gebiet, das auf sanften und klimafreundlichen Tourismus setzt.
  4. Wähle ein Skigebiet mit einer guten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel aus und reise mit der Bahn an. Das ist nicht nur ökologischer, sondern mindert auch das bereits sehr hohe Verkehrsaufkommen in den Alpen.
  5. Bewege dich nur auf markierten Pisten, Loipen und Wegen, um den natürlichen und beruhigten Lebensraum von Flora und Fauna nicht zu stören.

 

Quelle: „Grüne Abfahrt“ (Magazin: Vegan World)


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