Produktion und Abfall – Anthropologische Konstanten?

Vortrag von Dr. Horst Dieter Rauh (Aachen)

Alle menschliche Produktion erzeugt Abfall – seit der Prähistorie bis heute. Keine Kultur ohne Abfall. Der Mensch ist als Macher geschaffen, weil er von Hause aus ein Mängelwesen ist. Um sich zu behaupten, ist er genötigt, Strategien des Überlebens zu entwickeln, Natur und Umwelt zu beherrschen. Das eigentliche Mittel dazu sind Wissenschaft und Technik. Sie sind gegenwärtig imstande, in die Natur und den Menschen grundlegend einzugreifen. All diese Prozesse erzeugen unweigerlich Abfall (wozu auch Verpackung gehört): sein Wachstum wird sichtlich zu einem globalen Problem. Wir sind dabei, eine „Kultur der Deponien“ zu errichten. Hier ist Zivilisationskritik gefragt: ihr Blick hat sich auf echte und falsche Bedürfnisse zu richten, auf Strategien der Produktionskontrolle, auf die Verantwortung von Politik und Ökonomie – und auf die Möglichkeiten einer neuen Ethik.
Referent ist der Aachener Historiker und Philosoph Dr. Horst Dieter Rauh.

Kurzvita
Geboren 1940 in Rostock; Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität Erlangen-Nürnberg; 1969 Promotion zum Dr. phil. bei dem Historiker Arno Borst (Konstanz) mit einer Arbeit zur mittelalterlichen Geschichtsphilosophie. Von 1971 bis 2005 Dozent an der Bischöflichen Akademie Aachen, Leiter des Fachbereichs Kultur und Ausstellungsmacher. Lebt als freier Autor in Aachen. Publikationen zur Naturästhetik, Literatur und Philosophie. Zuletzt: Bürgerliche Trauer. Eros und Tod im 19. Jahrhundert (Berlin 2014); Wittgensteins Mystik der Grenze (Berlin 2014). In Vorbereitung: Vögel des Himmels. Gleichnis und Metamorphose.

Eintritt frei.

10. Juli 2018; 19:00 Uhr
BIS – Zentrum für offene Kulturarbeit
Bismarckstraße 97–99
41061 Mönchengladbach