Rezept: Vegane Rheinische Reibekuchen

Die Tante verrät ihr bisher bestgehütetes Geheimnis: das ORIGINAL-Rezept ihrer Rheinischen Reibekuchen.
Ihr ganzes Leben lang hat die Tante schon nach dem besten Reibekuchen-Rezept geforscht: mit weißem Bohnen-Püree, Haferflocken, Möhren oder Tofucreme, Champinionmus oder Backpulver: die Tante hat schon eine Menge Zutaten ausprobiert, um den perfekten Reibekuchen aus zu backen.
Doch schließlich ist es dieses genial einfache Rezept geworden, mit nur 7 Zutaten. Es schmeckt einfach authentisch nach rheinischen Reibekuchen, ohne Schnick und Schnack. Das Ei fehlt übrigens überhaupt nicht – im Gegenteil! Ihr könnt das Rezept auch gerne mal mit Ei ausprobieren und ihr werdet sehen, dass Reibekuchen ohne Ei wesentlich schmackhafter sind: Ei gibt einen unangenehmen Beigeschmack, wenn die Reibekuchen bei hoher Temperatur in Öl ausgebacken werden.

Die perfekten Kartoffeln sind mehligkochend: so werden sie am knusprigsten. Oder ihr nehmt festkochende Kartoffeln, dann saugen sich die köstlichen Küchlein nicht ganz so voll Fett. Bei festkochenden Kartoffeln empfiehlt die Tante, die Reibekuchen etwas dicker zu machen.
Beim Mehl ist es noch sehr wichtig, tatsächlich auf den Typen 405 (Auszugsmehl) zu achten, Vollkornmehl bei Reibekuchen oder ein dunkleres Mehl bringen keine guten Ergebnisse! Wenn du mehligkochende Kartoffeln nimmst, dann reicht oft nur 1 Esslöffel aus.
Am besten nehmt ihr ein desodoriertes Pflanzenöl, entweder Sonnenblumen- oder Rapsöl – im Bioladen wird das als „Bratöl“ verkauft. Auch Olivenöl eignet sich, dann darf man allerdings die Pfanne nicht zu doll vorheizen.
Noch ein Wort zur Pfanne: die sollte idealerweise eine Eisenpfanne sein, wie die von Turk. Pfannen mit Plastikbeschichtung (Teflon) eignen sich nicht, ebenfalls sind rostfreie Edelstahlpfannen nicht ideal.

Hier das ORIGINAL-Rezept von Tante LeMi, für etwa 15 Reibekuchen (also für ca. 1 Person 😉 )

Sehr leckere Reibekuchen, frisch aus der Pfanne.

Zutaten:
1 Kilo Kartoffeln*
1 gestrichener TL Meersalz*
1 gestrichener TL gemahlener Pfeffer*
1 gestrichener TL Muskat*
200 Gramm Zwiebeln
1-2 EL Weizenmehl Typ 405 (je nach Kartoffelsorte)
desodoriertes Sonnenblumenöl*

*Zutaten gibt es bei Tante LeMi

Die Kartoffeln zu einem Drittel grob und zu zwei Dritteln fein reiben. Die Zwiebeln sehr fein hacken. Alle Gewürze, Salz und das Mehl zu den Kartoffeln geben. Den Teig ordentlich verrühren, am besten geht das mit einem Handrührgerät. Falls sich Wasser bildet, dieses nicht abschütten, sondern Teig kurz aufrühren, bevor er in die Pfanne gegeben wird (falls es apokalyptische Wassermengen sind: Wasser in eine zweite Schüssel abgießen, fünf Minute stehen lassen, nochmals dekantieren, Wasser weggießen, Kartoffel-Stärke zurück in den Teig geben).
Pfanne ohne Öl stark erhitzen (geht mit Plastikpfannen nicht). Wenn Pfanne richtig heiß ist,  etwa daumenbreit Öl in die Pfanne geben, die Reibekuchen müssen tatsächlich in Öl schwimmen. Mit einem großen Löffel den Teig in die Pfanne geben und zu Küchlein zurecht drücken. Von beiden Seiten bei starker Hitze etwa 3 Minuten ausbacken, je nach gewünschtem Bräunungsgrad. Auf Abtropfgitter abtropfen lassen. Heiß genießen!


Unser Reibekuchenstand.

Jetzt Donnerstag – zusammen essen im Museum Abteiberg 

Gastgeberin Julia Kasten von den MG_Artfriends in Holleins Museums-Cafeteria.

Was haben Andy Warhol und Tante LeMi gemeinsam? Sie hängen beide im Museum Abteiberg (ab). Jetzt Donnerstag. Denn dann dürfen wir unser monatlich gemeinsames Essen  in der Museums-Caféteria veranstalten. Ein ganz besonderes Essen wird das! Denn die speziell für das Museum entworfene Caféteria ist mit ihrer einzigartigen Architektur bereits selbst Kunstwerk. Wir danken dem Abteibergmuseum und den MG_Artfriends für diese Möglichkeit. 
Der Ablauf bleibt unverändert: Du entscheidest selbst, ob du als Teil des Kochteams in der Küche aktiv bist und/oder als Gast am anschließenden Essen  teilnimmst. Bitte melde deine Teilnahme unbedingt an, den Link finden Mitglieder in der monatlichen Post von der Tante. Die Teilnahme ist beschränkt auf Mitglieder der Vereine Eine Erde und MG_Artfriends.

 

Hans Holleins berühmtes Cafeteria-Fenster bietet einen der schönsten Ausblicke der Stadt.

Speiseplanvorhersage:
Reis aus Italien Typ Basmati
Gemüsecurry
Dhal
(alles bio und vegan)

Donnerstag, 16.01.2020; 18:30; Museum Abteiberg;  Abteistr. 27; nur für Mitglieder

 

 

 

 

Dienstag: Weinverkostung im BIS (mit Vortrag)

Nussig-würzig oder vielleicht doch fruchtig-grasig mit blumiger Note?
Am 14. Januar werden wir unter Anleitung des Weinprofis Jens Pape ausgewählte Bio-Weine verkosten und viele neue Aromen kennenlernen. In einem Vortrag über Ökologischen Weinbau wird er uns zeigen, warum für einen guten Bio-Wein ein ausbalanciertes Ökosystem so wichtig ist. Dass wir mit Jens Pape einen wahren Experten gewonnen haben, da sind wir uns sicher. Denn Pape ist Kellermeister des Weingutes Graf von Kanitz im Rheingau, das Tante LeMi mit allerfeinsten Bio-Weinen zum Selbstabfüllen beliefert.

Des Grafen Kellermeister Jens (rechts), Olli (links) und Riesling (mitte).

Weinverkostung mit Vortrag (Unkostenbeitrag 5 €/Person, keine Voranmeldung)
14. Januar, 19 Uhr im BIS – Zentrum, Bismarckstr. 99

 

­Wirr im Kopf statt Neues Wir

Gut, dass wir so aufgeweckte Mitglieder haben! Nach einem Hinweis hat sich herausgestellt, dass sich der Autor der von uns geplanten Filmvorführung „Ein Neues Wir“ in die Sackgasse eines „neuen Wirr“ verirrt hat: Der Regisseur des Films, Stefan Wolf, ist wahrscheinlich seit 2015 Anhänger der rechtsnationalen, völkischen und antisemitischen Ökodorf-Bewegung „Familienlandsitz-Siedlungen“, die sich auf die Bücher der rechtsesoterischen Anasataia-Reihe des russischen Autors Wladimir Megre beruft. Deshalb haben wir uns entschieden, den Film nicht zu zeigen, obwohl der Film unbedenklich ist und aus einer Zeit stammt, in der Stefan Wolf nicht Anhänger der Anastasia-Bewegung war.
Wir haben den Regisseur um eine Stellungnahme gebeten, die wir hier hinterlegt haben.
Ein Recherchebericht samt Quellenauswertung der Anastasia-Bücher des Schweizer Vereines Infosekta zum Thema findet ihr hier. Macht euch gern selbst ein Bild.

Leider ist uns im Vorfeld der Zusammenhang nicht aufgefallen. Spannend finden wir aber, dass rechtes Gedankengut nicht unbedingt als solches direkt erkennbar ist, sondern sich gut getarnt unter eine ökologisch orientierte, also in der Regel eher links eingestellte Klientel mischt. Politisch unbedarfte Menschen, die nach einer Alternative zu unserem zerstörerischen System in einem einfachen Landleben suchen, geraten so potentiell auf eine Rutschbahn in rechte Netzwerke.

Da uns bedauerlicherweise das Thema „Ökorechts“ aufgedrängt wurde, zeigen wir stattdessen eine Reportage über heile Familienlandhaus-Nazis und möchten mit euch im Anschluss über die Gefahren und Fallstricke einer Gemeinschaftssuche und Gründung sprechen. Außerdem wollen wir ein wenig im schönen Köntges mit Gemeinschaftsinteressierten netzwerken. Schon jetzt möchten wir euch auf den Vortrag von Hans Widmer „Nach Hause kommen“ hinweisen, in dem es explizit um die Gründung einer Nachbarschaft/Gemeinschaft geht.

 

 

(Wohnprojekte) 11. Februar: Hans Widmer – Nach Hause kommen

500 Menschen. 35 qm pro Person. Autofrei und fahrradfreundlich. Zusammenleben nach Geschmack im Cluster, Großhaushalt oder Wohnjoker. Selbstganisiertes Konsumdepot. Velowerkstatt, Cafeteria, Pantoffelbar und Sauna. Obst und Gemüse von der Landbasis. Nahversorgung in Pantoffeldistanz. Und das alles in einer Nachbarschaft!

Hans E. Widmer

Am 11. Februar freuen wir uns auf den Schweizer Autor Hans Widmer und seinen Vortrag Nach Hause kommen. Ein Konzept, wie wir der Klimakatastrophe begegnen und zugleich ökonomische uns soziale Krisen lösen können. Mit Zahlen, Fakten und praktischen Erfahrungen. Mit Nach Hause kommen wird Widmer uns einen konkreten Vorschlag unterbreiten, wie ein enkeltauglicher und genussvoller Lebensstil für alle Menschen gelingen kann. Widmer ist Vordenker neuer Modelle des sozialen Zusammenlebens und Ideengeber vieler visionärer Wohnprojekte in der Schweiz. Sein in 1983 erschienenes Büchlein bolo’bolo gilt als eine der wenigen sozialen Utopien für eine neue Gesellschaftsform.

Vor dem Vortrag stellen sich folgende Gemeinschaften/Nachbarschaften in Gründung vor:

Finde deinen Clan (Cora Herzog)
Stadtwohnen MG (Bernward Jung)
Kaninchenbau (Marina Martin)

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Café Clément und Transition Town Mönchengladbach.

 

Hans Widmer – Nach Hause kommen
Dienstag, 11. Februar, 19 Uhr im BIS – Zentrum, Bismarckstr. 97-99, 41061 Mönchengladbach

 

Fahrrad-Parkplätze für Dein Viertel – Verkehrswende zum Selbermachen

von Oliver Jansen

Stell Dir vor, Du oder Dein Besuch kommen mit einem echten klimaneutralen Fahrzeug, nämlich dem Fahrrad, nach Hause und Ihr könnt es in der Nähe sicher und bequem im öffentlichen Raum abstellen – genauso wie es sich derzeit mit den Autos verhält. Ein Traum, oder? Aber er kann Wirklichkeit werden.

Denn im Rahmen einer „Wohnumfeldverbesserung“ stellt die Stadt Mönchengladbach jedes Jahr einen Fördertopf für engagierte Bewohner*innen bereit. D.h. die Stadt fördert Dein geplantes Projekt finanziell vollumfänglich, wenn Du bereit bist, einen Beitrag in Form von eigener geleisteter Arbeit, eine sogenannte „Muskelhypothek“, zu leisten.

Das ist bei den Fahrradparkplätzen in der Altstadt in Form von eigener Planung, Bepflanzung und Pflege der Stellplätze geschehen. Die Idee bestand darin, ein Modul für 6 Fahrrad-Stellplätze in Größe eines PKW-Stellplatzes (5,50m) zu schaffen. Insgesamt wurden drei dieser Module beantragt und auch an verschiedenen strategischen Standorten in der Altstadt aufgebaut. Und so sieht das Ganze aus:
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Die Dimensionierung der Abstände der Bügel ermöglicht eine bequeme Handhabung für das Parken an beiden Seiten. Sogar für Lastenräder.
Die Pflanzen-Kübel bilden nicht nur einen optisch schönen Abschluss des Stellplatzes, sondern garantieren auch einen Sicherheitsabstand zu parkenden Autos. Ab dem Frühjahr werden wir auch Blühendes sehen!

Mehr Grünzeug in der Stadt. Yeah! Und das Planungsteam Thomas und Oliver (v.r.).

Du möchtest das auch für Dein Viertel haben? Dann sprich uns an. Wir geben unsere Erfahrungen gerne weiter.

Einen schönen Beitrag über das Erfolgsrezept zum hohen Fahrrad-Anteil am Gesamtverkehr bei unseren Nachbarn in den Niederlanden findest Du hier:

https://www.riffreporter.de/busystreets-koralle/niederlanderadverkehr/

P.S.: Ein ganz besonderer Dank gilt Thomas Hoffmann, der den Großteil der Planung und die Kommunikation mit den verantwortlichen Planern der Stadt und den ausführenden Gewerken durchgeführt hat! Super dufte!

Klimanotstand

 

Wir starten das Jahr mit einem satyrischen Beitrag aus den Tiefen der Schweiz. Von Hans E. Widmer, der uns am 11. Februar besuchen wird.  (Hier als PDF zum Ausdrucken)


 

KLIMANOTSTAND

Ein Zwischenbericht

 

von Hans E. Widmer (P.M.)

Als das Parlament den Klimanotstand verkündete, lachten noch alle. Doch das Lachen verging den Leuten, als das Parlament einen Krisenstab einsetzte und mit allen «notwendigen Kompetenzen» versah.

Der Klimakrisenstab (KKS) verkündete sofort eine Reihe von Massnahmen: Verbot des Fahrens von Privatautos, Baustopp und Rückbau der Einfamilienhaushalden, Rationierung von Lebensmitteln und Transporten, Grounding von 90% der Flugzeuge, Einführung eines Ökopunktesystems (mit Kontrollarmbändern Marke IDENTA), Verbot aller privaten Computer und Handys, Verbot des Drucks von Büchern und Zeitungen, Verbot aller energieaufwändigen Sportarten, Schliessung der Alpen im Winter, Reduktion der Rinderherde auf 20%, Beschlagnahmung und Verschrottung aller Kühlschränke, Fernseher und Privatherde, keine Raumtemperatur über 16°. Das Buch aller Massnahmen war 300 Seiten dick.

Der Krisenstab teilte das Land in hundert Klimadistrikte ein, damit die Massnahmen lokal angepasst und überwacht werden konnten. Zur Durchsetzung dieser Massnahmen setzte der KKS zuerst die Polizei, dann auch Armee und Zivilschutz ein. Da war es hilfreich, dass die zwei Vertreterinnen des Bundesrats im KKS gerade die passenden Departemente hatten.

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Freu: Tante LeMi in der besten Zeitung der Welt

Hin und wieder ist unser kleines Lädchen ja in der Zeitung. Meist geht es da um das Thema unverpackte Lebensmittel. Doch die Tante ist ja viel mehr als nur ein Unverpacktladen: sie ist ein selbstorganisierter Unverpacktladen, zur Gänze ehrenamtlich betrieben und auch noch gemeinnützig – sie ist eine Alternative zum herrschenden Gesellschaftssystem, welches auf Konkurrenz, Gewinnmaximierung und Tausch beruht! Eine kleine, gelebte Utopie-Halbinsel mitten in Mönchengladbach!
Statt das herrschende Gesellschaftssystem nur zur kritisieren oder von andern (Politiker*innen, Wissenschaftler*innen, Gott, Mutti) zu verlangen, eine Änderung herbei zuführen, fangen wir im Kleinen einfach selber an und nehmen die Veränderung selbst in die Hand. Das führt zu günstigen und unverpackten Bio-Lebensmittel für unsere Mitglieder und dazu, dass die großen Konzerne kein oder viel weniger Geld  von uns bekommen.Wir ersetzen so Konzerne durch Kooperation. Klingt utopisch und verwegen. Und das ist es auch…

Eine Zeitung, die sich der Utopie und der gesellschaftlichen Transformation verschrieben hat, ist die Oya. Eine Fachzeitschrift für Utopie, sozusagen. Und in der neuesten Ausgabe ist ein fetter Artikel über uns drin, in dem es eben nicht so sehr um das Thema „Unverpackt“ geht, sondern um die Tante LeMi als Gemeinheit. Darüber freuen wir uns riesig!
Hier der Link zum Artikel:

https://oya-online.de/article/read/3311-.html#

Ein fetter Dank gebührt dem Jonas, der über Wochen beharrlich an dem Artikel geschrieben hat. VIelen Dank, lieber Jonas!!!

Hier kann man übrigens mal ein kostenloses Probeheft abgreifen – und zwar von der besten Zeitung der Welt! 🙂

Anarchosyndikalismus – Ist das neu, oder kann das weg?

Neu ist das nicht! Schon seit den 1860er-Jahren haben sich Menschen in verschiedensten Ländern und Erdteilen nach anarchistischen und syndikalistischen Ideen organisiert.

Und weg kann das schon gar nicht! Denn eine andere Welt ist möglich, wenn wir uns nicht zurückziehen und nur davon träumen, sondern uns wehren und uns um schönere Leben auf dieser Welt selbst kümmern. Wir setzen auf Vertrauen in uns und unser gemeinsames Lernen auf dem Weg.

Es ist möglich, ohne Kapitalismus, Hierarchien und mächtige Stellvertreter*innen selbstbestimmte, verbundene, gedeihliche Gemeinschaften zu bilden und aufrecht zu erhalten. Dafür kämpften und kämpfen Menschen auf der ganzen Welt.

Lucien van der Walt und Michael Schmidt haben mit ihrem Buch „Schwarze Flamme“ eine spannende Geschichte dieser Gegenmacht geschrieben. Lasst uns an diesem Abend ein paar ausgesuchte Stellen daraus lesen und gemeinsam diskutieren.

Offener Lesetreff im Chapeau Kultur

der FAU Sektion Mönchengladbach

Am Sonntag, 08.12.2019, 19 Uhr.
Im Chapeau Kultur
Bahnhofstraße 24 / 41236 Mönchengladbach-Rheydt.
Eintritt frei.

Nachtrag 13.01.2020:  Die Veranstaltung verlief deutlich anders als geplant:
https://duesseldorf.fau.org/anders-als-geplant/

Marianne Gronemeyer: VERGISS DEN PLANETEN, RETTET DEN GARTEN

Dieser Text wurde von Marianne Gronemeyer auf einer Veranstaltung von Eine Erde am 12.11.2019 im BIS vorgetragen.

Hier die PDF-Version des Textes.

Marianne Gronemeyer

Vergiss den Planeten, rettet den Garten

„Wir stehen heute vor einer historisch vollkommen neuen Situation, denn es ist
unsere Aufgabe, uns von einer relativ gut funktionierenden, reichen und mächtigen
Gesellschaft zu befreien … . Wir stehen vor dem Problem, uns von einer
Gesellschaft zu befreien, in der die Mittel der materiellen und sogar der kulturellen
Bedürfnisbefriedigung weitgehend zur Verfügung stehen – einer Gesellschaft, die,
plakativ formuliert, Güter für einen immer größeren Teil der Gesellschaft bereitstellt.
Daraus folgt, dass wir uns von einer Gesellschaft befreien müssen, in der es für
diese Befreiung offensichtlich keine Massenbasis gibt.“ (Herbert Marcuse zit bei Bauman, Zygmunt: Flüchtige Moderne)
Was Herbert Marcuse sich hier zu fordern traute, ist nichts Geringeres als eine
Revolution der Reichen. Und die ist offensichtlich ein Unding. Revolutionen werden
nicht von den Reichen angezettelt, sie sind der Aufruhr der Zu-kurz-Gekommenen,
die von der Teilhabe an der Macht ausgeschlossen sind, und derer, denen es um
Kopf und Kragen geht, die nichts zu verlieren haben, die unterjocht, ausgeplündert,
erniedrigt, schreiender Ungerechtigkeit ausgesetzt und in die Sklavenarbeit für die
Reichen gezwungen sind. Warum jedoch sollten die Gut-Ausstaffierten, denen es
wohl ergeht, die mit allem gut versorgt sind, deren „materielle, ja sogar kulturelle
Bedürfnisse“ leidlich – oder gar überleidlich – befriedigt sind, Revolutionen in Gang
setzen wollen? Die einzige Unzufriedenheit, die sie revolutionär, also auf
Veränderung sinnend, stimmen könnte, wäre ja der Unmut darüber, daß es ihnen
immer noch nicht gut genug geht. Aber dieser Unmut erzeugt keine Lust auf
umstürzende Neuerung, sondern auf verbessertes und verfeinertes ‚Weiter-So’.
Darin wären sich die reichen Giganten der Belétage mit den mickerigen Reichen des
Souterrains durchaus einig. Sie haben etwas zu verteidigen; das dämpft ihre
Angriffslust erheblich. Kurzum: ein revolutionäres Subjekt, das nicht nur aus dem
Wohlleben heraus, sondern wegen seines Wohllebens auf die Barrikaden ginge und
eine auf Umsturz gerichtete Gesinnung ausbrütete, ist logisch und psychologisch
ausgeschlossen. So ist also der Gedanke, daß die im Wohlleben Eingehausten ihres
Wohllebens wegen und um sich seiner zu entledigen, aufbegehren, absurd oder
hoffnungslos träumerisch. Marcuse selbst sieht das sehr klar. Weiterlesen