Was wir in Zukunft alles dürfen

von Hans Widmer

Momentan dürfen wir nur noch wenig. Viele freuen sich sogar darüber, etwa die Ökolog*innen, weil Flugzeuge am Boden bleiben, der Autoverkehr abnimmt und schädliche Industrien, wie eben die Autoindustrie, stillstehen. Wo keine Boote mehr fahren, wird das Wasser klar und freuen sich die Fische. Die aktuelle – durchaus berechtigte – Verbotskultur droht nun als ökologische Verbotskultur weitergeführt werden.

Die Bekämpfung einer Pandemie braucht gesamtgesellschaftliche Regulationen; der Aufbau einer neuen Zivilisation, die ökologisch tragbar, ökonomisch gerecht und psychosozial lustig sein soll (oder würden wir uns sonst dafür einsetzen?), muss sie auf ein Minimum reduzieren. Wir wollen endlich selber machen können, selber bestimmten, selber definieren, uns selbst regulieren, wo es nötig ist. Gesamtgesellschaftliche Regulation wird immer ihren Platz haben, vor allem als gerechte Unterstützung von Selbstwirksamkeit weltweit, auch Climate Justice genannt (seit 1998 übrigens). Öffentliche Dienstleistungen (von Quartier bis Planet) sollen subsidiär lokal abgestuft und demokratisch als Commons verwaltet sogar massiv ausgebaut werden. Wir wollen praktisch alle staatliche Teilzeitangestellte werden, inklusive Gesundheitsversorgung und Existenzgarantie. Ich finde das besser als das individualisierende, unverbindliche Grundeinkommen, das manchmal als supergeniale Regulierungsidee herumgeistert. Weiterlesen

Mit dem Donk-EE vom Feld zum Laden

Für eine kleine Überraschung sorgt Klaus Heimbucher vom ADFC, als er uns am Montag die Zwiebeln frisch vom Feld in unseren kleinen Laden bringt: Mit einem Donk-EE schwebt er an, einem E-Lastenrad von Riese & Müller, das sein zu Hause eigentlich in Köln hat. Donk-EE ist dort nämlich das erfolgreiche Lastenrad-Verleihsystem, welches 60 Lastenräder per App 24 Stunden den Kölner*innen zur Ausleihe zur Verfügung stellt.  Davon können Mönchengladbacher*innen nur träumen, doch gibt es immerhin mehrere Lastenräder vom ADFC zur Ausleihe, die von ADFC-Mitgliedern kostenlos geliehen werden können.

Klaus (rechts), Donk-EE (unten), Zwiebeln (Mitte), Lemi (hinten)

Wie kommt denn nun das Donk-EE nach Mönchengladbach?
„Ich habe das Donk-EE einen Monat lang in einer Verlosung gewonnen“, freut sich Klaus über sein Glück. Und wir freuen uns mit ihm, hat er doch gleich 20 Kilo frische Bioland-Zwiebeln vom Schauhof in Willich geholt. Vielen Dank!

+++ Sortimentsupdate +++

Wir führen jetzt zusätzlich Sauerkraut im Glas und 5 Liter Byodo Weißweinessig für euch. Auch das Apfelmark ist inzwischen eingetroffen. Das Demeter-Olivenöl ist leider im Moment nicht verfügbar, dafür haben wir jetzt erheblich günstigeres Olivenöl aus Tunesien (leider eine Fehlbestellung weil nicht aus Europa – kommt vor…).
Also kommt rum und deckt euch gerne bei eurem selbstorganisierten Lädchen ein! Heute wieder von 11-14 Uhr.

Nachhaltig wirtschaften – aber wie?

Von Elisabeth Voß

Weniger Globalisierung und Wachstum durch Corona – eine Chance zum Umsteuern?

Sachzwang und Zeitdruck können – im Großen wie im Kleinen – entdemokratisierend wirken. In der Krise sind Politikerinnen und Politiker gefragt, das „Richtige“ zu entscheiden. Immerhin sind sie durch Wahlen legitimiert, trotz aller Unzulänglichkeiten der parlamentarischen Demokratie. Auf Corona war niemand vorbereitet. Und nun geschieht im Weltmaßstab etwas, das so schnell trotz Klimakatastrophe und Fridays for Future undenkbar war: Die Lufthansa reduziert ihr Flugangebot um 90 Prozent, Ryanair stellt den Flugbetrieb ein, der weltweite Flugverkehr wird drastisch eingeschränkt und die Börsenkurse der Airlines fallen.

Elisabeth Voß

Plötzlich sind schnelle Änderungen möglich – angesichts von Corona viel wirksamer als Verhaltensänderungen durch „Flugscham“. Auch der Klimaschutz erfordert schnelles Handeln und es wäre problematisch darauf zu warten, dass sich kulturell verankerte Gewohnheiten und Verhaltensmuster langsam verändern. Es reicht nicht aus, von Einzelnen zu verlangen, zu verzichten und ihr privates Flugverhalten zu ändern. Wenn Gutwillige sich gegenseitig darin bestätigen, auf der richtigen Seite zu stehen, und dies stolz auf „Social“-Media-Kanälen vermarkten, kann zudem der Eindruck entstehen, es ginge mehr um konkurrente Selbstdarstellung als um Klimaschutz.

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Jörg

Kapitalismus ist weder effizient noch sinnvoll

Von Jörg Bergstedt

Es gibt 1,5mal so viel zu Essen auf der Erde, wie für alle Menschen reichen würden. Trotzdem hungern fast 10 Prozent der Bevölkerung. Was ist von einem Wirtschaftssystem zu halten, das derartige Ergebnisse hervorruft? „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet“, hätte Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, langjähriger Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und damals Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrats, in der Eröffnungsrede zu den Salzburger Festspielen 2011 gesagt. Er wurde wieder ausgeladen. Dabei wäre seine Aussage eine Untertreibung gewesen, denn was er über verhungernde Kinder sagte, gilt für alle, die sterben, ohne dass es nötig wäre – Menschen allen Alters, durch Hunger, Krieg, weil Medikamente wegen Patenten zu teuer sind, weil ihnen eine Wohnung fehlt. Hinzu kommen weitere Aspekte: Vier Milliarden Menschen wären locker zusätzlich zu ernähren, wenn nicht ständig riesige Mengen Nahrung an Tiere verfüttert würden, die noch dazu überwiegend qualvoll gehalten und getötet werden. Auch das dient vor allem den Profit – und damit zeigt allein dieses kleine Beispiel: Der Kapitalismus ist weder effizient noch gut für die Menschen. Selbst seine Verheißungen sind trügerisch, denn der ewige Zwang, alles ständig immer wieder in Wert zu verwandeln und nur einzusetzen, um noch mehr Profit zu machen, verwandelt selbst beste Ideen und Erfindungen in Bedrohung von Mensch und Natur. Der technische Fortschritt sollte das Leben erleichtern, schwere Arbeit abnehmen und neue Möglichkeiten schaffen. Das ist auch gelungen – aber statt mehr Lebensfreude ist der Mangel an Arbeit zu einer Geißel geworden. Technische Meisterleistungen helfen weniger den Menschen, sondern optimieren Kriegswaffen, Überwachung und Ausbeutung. Kapitalistisches Wirtschaften unterwirft dabei nicht nur den Menschen und saugt seine Kräfte aus, wo immer es geht. Er ist genauso räuberisch gegenüber der Natur. Denn der Gewinn, den Unternehmen in diesem Wirtschaftssystem erzielen wollen, weil sie ihn – um des wirtschaftlichen Überlebens der Firma wegen – erzielen müssen, basiert neben der Werbelist, potentielle Käufer*innen zu viel und möglichst teurem Konsum zu veranlassen, auf der maximalen Ausbeutung der Faktoren Arbeit (also der Menschen) und der Natur. Ob Rohstoffe gesucht und ausgebeutet, Atomkraftwerke oder Windräder gebaut oder Dienstleistungen angeboten werden – stets geht es darum, Aufwand und Geld zu sparen, um die Gewinnspannen zu erhöhen. Den Schutz der Umwelt bei Emissionen, Rohstoffverbrauch und Flächenauswahl zu berücksichtigen, kostet Geld und Zeit. Beides einzusparen, erhöht Wettbewerbsfähigkeit und Gewinnspanne. Die daraus folgende Zerstörung von Natur wird genauso wie die Ruinierung menschlicher Gesundheit missachtet oder, als Reparaturbetrieb, von der Gesellschaft allgemein bezahlt. So ist rücksichtloses Verhalten gegen Mensch und Natur im kapitalistischen System höchst rational und wird mit mehr Gewinn und Expansion belohnt. Wer dazu Nein sagt, ist im oder als Unternehmen tot. Ein Wandel unter diesen Zwängen ist nicht möglich, so oft und intensiv das mit kleinen sozialen Ablasshandlungen oder Greenwashings auch versucht wird. Das Wirtschaftssystem als solches muss ausgetauscht werden.

Die kapitalismuskritischen Seiten auf www.projektwerkstatt.de: http://www.projektwerkstatt.de/index.php?p=20177

Neu: Dinkel und Maccharoni

Ab heute neu im Sortiment: Dinkel und Maccharoni! Beides allerdings nur im 5 kg Paket.
Das aktuelle Sondersortiment findet ihr bei uns auf der Startseite.

Wir haben neue Atemmasken bestellt, wir hoffen, dass die ersten morgen am Samstag wieder bei uns eintreffen werden. Es wird dann zwei Versionen mit unterschiedlichen Preisen geben.

Die Liste der vergriffenen Lebensmittel des Sondersortiments findest ihr auf der Startseite. Aus dem Regelsortiment ist gerade Langkornreis Typ Basmati und Haferflocken nicht verfügbar. Das kann noch etwa zwei Wochen dauern, bis es wieder da ist. Das Demeter-Olivenöl ist im Moment über unseren Großhändler nicht lieferbar, wir haben stattdessen anderes Olivenöl bestellt. Das ist deutlich günstiger, aber nicht so lecker. Kommt am Montag. Zwiebeln kommen wieder morgen ab ca. 12.30 Uhr!

Der Verkauf läuft sehr gut, wir sind begeistert, wie gut es klappt: es ist wirklich ein sehr sicherer Verkauf, unsere Mitglieder halten viel Abstand. Und wir reichen die Waren durch unser Fenster. Es ist immer eine Scheibe zwischen dem Ladenteam und euch Mitgliedern, das Fenster funktioniert wie eine Schleuse, das Geld wird mit einem Kästchen berührungslos übergeben.

Wir freuen uns auf euch, unterstützt euer selbstorganisiertes Lädchen mit eurem Besuch!

 

 

Die Solidarische Landwirtschaft wächst – Solawi Neuenhoven sucht 40 neue Mitglieder

von Lars Lange

Die Solawi Neuenhofen ist wie die Tante LeMi ein Aushängeschild der Solidarischen Ökonomie für Mönchengladbach und die perfekte Ergänzung für unsere Mitglieder. Liefert euch Tante LeMi gemeinnützig trockene Lebensmittel und Hygiene-Artikel, kann euch die Solawi Neuenhofen gemeinnützig mit frischem Gemüse versorgen.

Landwirtschaft heißt normalerweise, dass ein Bauer für anonyme Konsumenten landwirtschaftliche Produkte anbaut. Die Solawi-Bewegung funktioniert ganz anders: Hier bestimmt ein gemeinnütziger Verein selbst die Produkte, baut selbst mit an – bei Solidarischer Landwirtschaft werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen Wirtschaftskreislauf, der von den Mitgliedern mit organisiert und finanziert wird. Das Konzept ist , wie die Tante LeMi, Teil der Solidarischen-Ökonomie-Bewegung. Die Solidarische Ökonomie basiert – anders als etwa die schleimigen und kapitalistischen Konzepte von „Gemeinwohlökonomie“ nach Felber oder dem „Social Business“ – nicht auf Profitmaximierung für einzelne Menschen, sondern auf der Schaffung von Gemeingütern und einem solidarischen Austausch zwischen gleichberechtigten Menschen und ist zudem nicht profitorientiert.

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Jörg

Vom Versagen politischer Bewegung

Von Jörg Bergstedt

Das Land steht still, so scheint es jedenfalls. Den meisten Menschen sind strenge Auflagen erteilt, die vieles verbieten, was sonst zum Alltag gehört. Auch politische Aktion scheint eingefroren. Doch der Schein trügt. Auch wenn tatsächlich vieles dessen, was sonst die Abläufe prägt, gerade ruht – vom Fußball-Samstag bis zu Kultur und großen Teilen des Wirtschaftslebens –, gibt es nicht nur die viel beschriebenen, zu Recht gelobten, aber oft schlecht bezahlten, lebenswichtigen Arbeitsbereiche, die aufrechterhalten werden, sondern auch einiges, welches gerade jetzt gestärkt wird. Das passiert aber eher im Stillen oder als Beiwerk der hysterisch aufgeladenen Angstdebatte um das Virus, in der die Aufmerksamkeit in andere Richtungen gelenkt wird und politischer Protest selbstverordnet verstummt ist. Dabei ist völlig offensichtlich, von denen, die in diesen Tagen und Wochen per Verordnungen und Verfügungen das gesellschaftliche Geschehen prägen, einige die Lage ausnutzen. Ein Teil macht aus der Not ein Geschäft und verkauft, was das Zeug hält – Toilettenpapier, Zeitungen mit Angstschlagzeilen, Atemschutzmasken. Die anderen ziehen einen starken Staat hoch. Corona beendet das gesellschaftliche Geschehen nicht, sondern verändert die Abläufe, die Kräfteverhältnisse, Diskurse und Verteilung der Potentiale. Die Schnelligkeit, mit der Regierungen agieren, ist beeindruckend. Geltende Gesetze und selbst einige bereits gefasste Gerichtsbeschlüsse, die Maßnahmen für rechtswidrig erklärten, werden einfach missachtet. In einigen Ländern werden ganz offen Ermächtigungsgesetze diskutiert – mit guten Chancen auf Verwirklichung. Das wäre schon besorgniserregend genug. Schlimm könnte sich aber auswirken, dass alle Meinungsumfragen dasselbe Ergebnis bringen: Die Mehrheit der Menschen liebt diese Politiker*innen dafür, dass sie autoritär durchgreifen. Es macht sich eine erschreckende Sehnsucht nach Führungspersönlichkeiten breit. Wer in den Regierungen harte Maßnahmen ankündigt oder sich um Recht und Gesetz nicht schert, sondern durchzieht, bekommt ein paar Punkte auf der Beliebtheitsskala oder ein paar Prozent in der nächsten Wahlumfrage dazu. Das werden sich die Herrschenden merken. Corona ist auch ein Feldversuch, wie eine Bevölkerung zu unterwerfen ist und dabei noch applaudiert.

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Zeitgeschenke – geschenkte Zeit

von Natalie Sat

„Zeit ist das schönste Geschenk“. So lautet der Leitsatz auf der Startseite meiner Homepage. Bislang galt diese Aussage für viele im Zusammenhang mit erkämpfter Freizeit zwischen all dem Müssen und Sollen. Doch plötzlich ist sie da, die freie Zeit – ganz ohne unser Zutun, ohne Anstrengung, frei zu bekommen oder ein Stück aus dem überfüllten Terminkalender rauszuschneiden. Endlich haben wir Zeit.

Natalie Sat

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Neu: Behelfsmundmaske, wir füllen für euch ab

Ab sofort haben wir für euch im Angebot eine selbstgenähten Behelfs-Mundmaske. Die wiederverwertbaren, von unserem Mitglied Michaela selbst genähten Masken, bieten keinen umfassenden Schutz wie die Masken der Schutzklassen FFP2 und FFP3. Doch sie senken statistisch die Wahrscheinlichkeit einer Infektionsweitergabe, wie etwa die TAZ schreibt. Weitere Quelle hier.

Warum ist denn in den Mainstreammedien immer wieder zu lesen, dass Masken wirkungslos seien? Nun, weil die unfähige Regierung in Deutschland noch nicht einmal medizinisches Personal mit Masken versorgen kann. Da muss man die Bevölkerung beschwichtigen mit der falschen Botschaft, Masken würden nichts nutzen. Länder, die ihre Gesamtbevölkerung mit Atemschutz-Masken versorgen können, haben aber die geringsten Neuinfektionsraten, wie etwa Alexander Unzicker richtig schreibt.

Außerdem: wir füllen für euch wieder unser Gesamtsortiment ab. Mit unseren kostenlosen Behältern oder in Papiertüten. Die Papiertüten sind für die Umwelt nicht optimal, aber wir halten den bestmöglichen Infektionsschutz für sehr wichtig.

Wir füllen alles ab 1 Kilo ab, bei Nüssen liegt die Untergrenze bei 500 Gramm, bei Gewürzen bei 100 Gramm. Ihr braucht keine eigenen Behälter mitbringen. Das Sonder-Sortiment ist nach wie vor verfügbar.

 

 

Coronavirus: Deutschlands Unfähigkeit fast einzigartig

Von Alexander Unzicker

Gegen jede wissenschaftliche Evidenz verzichtet man auf den Einsatz von Masken und schneller Diagnostik

Die Corona-Krise stellt einen weltweiten Kompetenztest für Regierungen dar. Für den, der die eigenen Dokumente (S. 59) nicht kennt, wäre daher wenigstens Lernen von den anderen angebracht.

Jeder, der einen Mausklick ausführen kann, sieht, dass die zeitliche Entwicklung der Infektionen in folgenden Ländern wesentlich günstiger verläuft: China, Taiwan, Singapur, Hongkong, Japan, Russland. Ein detailliertes Studium der dort angewendeten Maßnahmen könnte man den Verantwortlichen sicher empfehlen, zwei Dinge stechen jedoch hervor: Die in Deutschland fehlenden Atemschutzmasken und die langsame Ausführung der Tests.

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