Den Kapitalismus überwinden: Selbstorganisation, Kooperation und Gemeinnützigkeit

Die Welt, wie wir sie kennen, gerät aus den Fugen. Der Ausnahmezustand ist bereits eingetreten:
Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 100 Fußballfelder Bodenfläche zubetoniert. In den letzten 30 Jahren haben wir hierzulande bereits ein Viertel aller Böden verloren.
75 Prozent der Gesamtmasse aller Insekten in Deutschland sind in den letzten Jahren verschwunden, die gesamte globale Insektenmasse schrumpft pro Jahr um 2.5 Prozent. Wenn das so weiter geht, dann haben wir ein gigantisches Problem: sauberes Wasser, die Bestäubung unserer Nahrung, die Fruchtbarkeit unserer Böden steht auf dem Spiel.
2018 stieg die CO2-Emission um 2,7 Prozent an.
Der Klimawandel beschleunigt sich. Sechs der letzten zehn Jahre gehörten zu den wärmsten, seit das Wetter wissenschaftlich aufgezeichnet wird.
Die Rüstungsetats steigen und steigen.
Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Und was machen wir? Was können wir tun? Um unsere gemeinsame Welt, unsere eine Erde, zu einem Ort zu machen, der lebenswert bleibt. In der das Überleben der Menschheit gesichert ist. Was können wir tun, um auf dieser einen Erde in Frieden und Freude geschwisterlich zusammen zu leben?
Was. Können. Wir. Tun. ?

Ein Licht der Hoffnung

Wir alle, Mitglieder im Verein Eine Erde e.V., tun etwas zusammen: wir betreiben einen Unverpacktladen. Wir ermöglichen Menschen, dem Wahnsinn ein Licht der Hoffnung entgegen zu setzen, nämlich bei uns verpackungsarm einzukaufen. Das ist im Angesicht des Wahnsinns wenig. 100 Gramm Verpackungsmüll zu sparen, das ist wenig.
Und doch ist unsere Tante ein utopischer Ort: Denn wir setzen dem Neoliberalismus drei Verhaltensweisen entgegen, die zusammen eine Keimzelle bilden für eine neue Welt. Diese drei Verhaltensweisen heißen Selbstorganisation, Kooperation und Gemeinnützigkeit!
Selbstorganisation heißt, dass wir erkennen, dass niemand für uns eine Veränderung herbeiführen wird. Wir können dafür keinen Menschen erwählen oder erdulden. Wir müssen das selber tun.
Wir können nicht länger Fremdversorgungsnetze nutzen, die viele immer ärmer und ganz wenige immer reicher machen. Selbstorganisation heißt, dass wir unsere Verantwortung in die eigenen Hände nehmen!
Kooperation! Wir können das nicht alleine machen: ich alleine kann keine Tante LeMi aufmachen, ich alleine kann die Welt nicht verändern!
Das können wir nur zusammen machen, und das machen wir schon zusammen – wir kooperieren!
Und die dritte Verhaltensweise, die eine so ungeheure transformatorische Kraft hat, heißt Gemeinnützigkeit. Wir tun etwas nicht unmittelbar nur für uns, sondern wir tun etwas für alle. Für uns alle.
Knapp 40 Menschen kooperieren in unterschiedlicher, zeitlicher Intensität und schaffen etwas in Deutschland einzigartiges: ein selbstorganisiertes, nicht kommerzielles, gemeinnütziges Lebensmittellädchen. Für 400 Vereinsmitglieder.

Keimzelle für eine neue Welt

Eine Keimzelle für eine neue Welt: Wenn wir ein Lädchen so gestalten können, also selbstorganisiert, kooperativ und gemeinnützig, dann können wir auch den Lebensmitteltransport so gestalten, dann können wir auch den Lebensmittelanbau so gestalten, dann können wir auch den Wohnungsbau so gestalten, dann können wir auch die Bekleidungsherstellung so gestalten usw.. Wir können das ganze Leben so gestalten.
Was es aber braucht: Es braucht Hände, es braucht Köpfe, es braucht Beine. Es braucht Engagement, um das Neue entstehen zu lassen.
Engagement heißt Zeit: 40 Stunden die Woche Lohnarbeit, da bleibt wenig übrig für ein anderes Leben.
Deshalb: es braucht mutige Deserteur*innen, um das Alte sterben zu lassen. Denn die alte, kapitalistische Welt, die wird von uns jeden Tag auf das neue miterschaffen. In dem wir da mit tun. 40 Stunden pro Woche.
Es braucht mutige Deserteur*innen, Fahnenflüchtige, die aufhören, den Kapitalismus weiter zu erhalten, die anfangen, ihr Leben anders zu organisieren.
Es braucht Lebenszeit, Lebenskraft, die wir umleiten in neue Kanäle, in neue Lebensströme, die neue Welten erschaffen. Neue Welten, neue Labore, wie die Tante Lemi.
Jetzt und hier, für unser Projekt in Mönchengladbach, braucht es konkret Menschen, die Ladendienste übernehmen, die die Warenannahme mit übernehmen, die die Buchhaltung machen. Es braucht konkret Menschen, die ihre Lohnarbeitslast drastisch senken! Die aufhören, 40 Stunden zu arbeiten.
Lasst es uns versuchen, gemeinsam die Welt zu verändern, angefangen mit einem kleinen Lädchen. Angefangen bei uns selbst.

Es könnte funktionieren.


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5 Gedanken zu “Den Kapitalismus überwinden: Selbstorganisation, Kooperation und Gemeinnützigkeit

  1. Vrohmut schreibt:
    Avatar von Vrohmut

    Genau so sehe ich es auch und habe bereits Maßnahmen umgesetzt und bin weiter auf dem Weg mit Gleichgesinnten. Es finden sich Menschen, die in dieselbe Richtung blicken und ihr Leben gemeinsam zum positiven verändern.
    Danke für den tollen Artikel.
    Bis bald zum Ladendienst.

    Gefällt 1 Person

  2. Torsten schreibt:
    Avatar von Torsten

    Eine erste und gute Maßnahme wäre es, FACEBOOK zu verlassen, auch wenn es erst mal weh tut. Facebook hat null mit Gemeinwohl zu tun, es gibt sich zwar den Anschein, ist aber im Gegenteil Neoliberalismus PUR, außerdem ein Unternehmen mit inzwischen beängstigender globaler (!) Monopolstellung, das die (Grund)Rechte der Menschen immer und immer wieder mit Füßen tritt – auch die der Nichtnutzer. Das Unternehmen ist an keiner Stelle demokratisch organisiert, nicht mal einen „Nutzerrat“ gibt es, wo ein Mindestmaß an Mitsprache an der Geschäftspolitik möglich wäre. Der CEO ist nicht abwählbar. Die AGB widersprechen an mehreren Stellen dem Gesetz.

    Plattformen wie Facebook finanzieren sich maßgeblich durch Werbefirmen – deren Ziel ist via übergriffiger Wissenssammlung über jede und jeden (auch auf anderen Seiten im Netz) und dann höchstpersönliche Werbeansprache MEHR ZU VERKAUFEN, und dann NOCH MEHR ZU VERKAUFEN, also eine regelrechte Konsumbeschleunigungsmaschine.

    Wie wäre es damit, jetzt umzusteigen auf eine Alternativplattform wie DIASPORA, analog MASTODON zu Twitter. Ähnliches gilt für Google. Solange man diese Plattformen nutzt und andere Menschen immer wieder darauf lockt, wo diese dann aufs allerfeinste analysiert und katalogisiert werden, fehlt für mich die Glaubwürdigkeit beim Thema „Selbstorganisation“. Die ist nur scheinbar gegeben unter Zuckerbergs bequemem Überwachungsschirm. Macht Euch nicht abhängig! Nehmt es als Anregung. Wer sich kundig machen will, liest was von Shoshanna Zuboff, Stichwort „Überwachungskapitalismus“.

    Gefällt 1 Person

    • Lars schreibt:
      Avatar von Eine Erde e.V.

      Lieber Torsten, vielen Dank!
      Wir haben vor gut einem Monat beschlossen, tatsächlich Facebook zu verlassen. Wir haben diesen Artikel auf Facebook gepostet mit dem Kommentar, dass wir hier bald nicht mehr sind auf Facebook und dass die Leute unseren Blog abonnieren sollen. Jetzt hängt es nur noch daran, dass wir einen Blogartikel darüber verfassen möchten. Und den auf Facebook stellen. Dann machen wir noch einen Countdown, und dann kündigen wir das Profil.
      Schon jetzt veröffentlichen wir nichts mehr dort.

      Liebe Grüße!

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